„Gone with Ilmer”
Ein Film-Theater-Projekt von LUCKY ARTIST COMPANY
Idee / Text / Konzept: Hannes Glarner, Krishan Krone, Michael Hertig
Ferdinand Ilmer: Krishan Krone
Bühnenregie: Hannes Glarner
Filmregie: Michael Hertig
Bühne: Karin Süss, Martina Kamal
Kostüme: Susanne Zangerl
Produktionsleitung: Rahel Holenstein
Technik: Simon Schwendimann

Es ist Weltpremiére des ersten Langspielfilms von Ferdinand Ilmer: Dem Science-Fiktion-Krimi „The Message“. Nachdem Ilmer eine Einführung gehalten und die üblichen Danksagungen losgeworden ist heisst es: Film ab: Die Hauptfigur, Jordan Abercrombie, fliegt in geheimer Mission kosmischen Signalen entgegen. Offensichtlich sind diese Signale, in der sogenannten Nachklangsprache, eine Antwort auf die von der NASA 1972 ins All geschickte Grussbotschaft an Ausserirdische...
Doch schon während des Vorspannes versagt die Kinotechnik. Nach ein paar traurigen Versuchen, einige zum Teil in San Francisco auf der Golden Gate Bridge gedrehte Schlüsselszenen aus „The Message“ zu erzählen und vorzuspielen, muss Ilmer einsehen, dass er gegen die immer dringlicher insistierende Leinwand nicht ankommt, dass er den Bildern folgen muss, die ihn verfolgen: er holt, nach einer merkwürdigen Pause (wie man auf der Leinwand mitverfolgen kann: zu Hause), einen unfertigen Film, den er vor über zwanzig Jahren gemacht hat, als Zürich brannte („Züri brännt“) und die „bewegte“ Jugend protestierend auf die Strasse ging. Aus dem vorgeführten Material wird klar, dass Ilmers Kommunikation mit den Irdischen damals keineswegs ganz einfach war, dass er in eine Art persönlichen Outerspace gefallen war und dass seine subjektiven Formen des Protests ihn in eine psychiatrische Klinik führten.
In diesem zweiten, dokumentarischen Teil des Abends fängt der Film mit seinem Filmer an zu harmonieren, er lässt sich von ihm zeigen, kommentieren und vertonen. Zum Schluss mischen sich in einer dramatischen Live-Gegenrede an die Eltern Bilder von Ilmer auf der Bühne mit Leinwandbildern einer zwanzig Jahre zurückliegenden Auseinandersetzung mit seinen Eltern in der Klinik.
Der dritte Teil wird von einem surrealen, filmisch-theatralischen Versuch über das platoni-sche Höhlengleichnis eingeleitet. Wir begreifen Platons Text als erstes abendländisches Dokument für das, was man gemeinhin unter ‚Projektion’ versteht.
Dann gehen Ilmer (der jetzt mehrheitlich direkt vor und ganz nah an der Leinwand also quasi in ihr steht) und fliessende, traumartige Filmbilder aus längst versunkenen, vorpubertären Zeiten eine regelrechte Symbiose ein. Wieder ist ein unerreichbares weibliches Wesen, diesmal ein junges Mädchen, das objet de désir. Wieder verfehlt eine Grussbotschaft ihr Ziel, und wieder spielen – wie in den beiden vorhergehenden Filmen – Sonnenblumen eine wichtige Rolle. So wird der katastrophal beginnende Abend für den Filmenthusiasten Ferdinand Ilmer unverhofft zu einer weitgespannten und melancholischen, letztlich aber versöhnlichen Reise zu sich selbst.

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