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Ein Lächeln in der Rue Bleue
Das Theater am
Käfigturm zeigt «Monsieur Ibrahim und die Blumen des
Koran»
Krishan Krone spielt die
Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und bewegt sich im
Verlauf des Abends weg von der aufgesetzten hin zur berührenden
Darstellung seiner Figuren.
Wer hat nicht schon von ihnen gehort - vom jüdischen Knaben Momo
und seinem alten muslimischen Freund Monsieur Ibrahim, die sich in der
Pariser Rue Bleue kennen lernen und zusammen in das Land des Goldenen
Halbmondes reisen. 2001 ist «Monsieur Ibrahim und die Blumen des
Koran» von Eric-Emmanuel Schmitt in der französischen
Originalfassung erschienen. Seither ist die Erzählung in
zahlreiche Sprachen übersetzt worden, es gibt eine Verfilmung mit
Omar Sharif in der Titelrolle;
die Geschichte hat den Weg auch in die Theaterhäuser gefunden -
nun in das Theater am Käfigturm.
Ein Mann betritt die Bühne. Er setzt sich an einen Bistrotisch,
schlägt ein Buch auf und liest vor: «Als ich elf war, habe
ich mein Schwein geschlachtet und bin zu den Dirnen gegangen.»
Dann legt er das Buch weg. Er erzählt, wie er zum Mann geworden
ist und wie er in der Rue Bleue den Kolonialwarenhändler Monsieur
Ibrahim kennen gelernt hat. Er erzählt von seinem schwierigen
Verhältnis zum Vater und davon, wie ihm Monsieur Ibrahim das
Lächeln beigebracht hat.
Mann, Text und Bewegung
Krishan Krone, der Protagonist des Abends (Regie: Michel Bosshard),
bleibt dem von Schmitt formulierten Text treu und berichtet als
erwachsener Momo, was er in seiner Kindheit erlebt hat. Stimme, Mimik
und Gestik – mit diesen Mitteln schlüpft Krone in die
unterschiedlichsten Rollen. Mal ist der junge Momo auf der Bühne,
im nächsten Satz steht Monsieur Ibrahim vor einem, dann
schwänzelt Brigitte Bardot vorbei. Vor allem am Anfang der gut
einstündigen Vorstellung wirken diese Verwandlungen aufgesetzt: In
der kindlichen Stimme Momos schwingt ein dümmlicher Unterton mit;
das Augenzwinkern ist ein plumpes Echo des Gesagten. Doch dann findet
Krone das richtige Mass. Sein Spiel wird nüchterner, seine Stimme
natürlicher, seine Bewegungen werden reduzierten und die
Rollenwechsel dynamischer.
Dank dieser Verfeinerung gewinnt die Geschichte an Tiefgang; Plumpes
und Sentimentales verschwinden. Besonders eindrücklich ist die
Begegnung der Mutter mit ihrem inzwischen jugendlichen Sohn: Die subtil
wechselnde Blickrichtung und unterschiedliche Positionen der Arme
genügen, um das schwierige Mutter-Sohn- Verhältnis
auszudrücken. Auch die humorvollen Momente entwickeln sich im
Verlauf des Abends zu Glanzstückchen der Komik, zum Bespiel wenn
Momo Pistazien aus Istanbul im Publikum verteilt oder pantomimisch
vormacht, wie der eifrige Autoverkäufer seine Ware anpreist.
So wie sich Krishan Krone mit der Zeit in seine Figuren hineinlebt, so
gestaltet er seine Umgebung nach und nach persönlicher. Er
enthüllt einen mit buntem Gemüse gefüllten Stand, er
installiert ein Radio und kocht sich Tee. Diese ganz beiläufig
ablaufenden Tatigkeiten zeigen, was Momo heute macht, und geben dem
Ein-Mann-Abend eine wohltuende Struktur.
Pia Strickler, Der Bund vom 14. Dezember 2006
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