 |
 |
 |
Kern-Fragen,
gesalzen
„Gone with Ilmer" –
ein Film-Theater im Kino Studio Uto
Wenn ein Abend aus Pausen besteht, dann dieser. Aus Leerräumen
als Ankerplatz für Assoziationen. Genährt werden sie von
Sonnenblumenkernen (gesalzen, für die offen zugreifenden Zuschauer),
Nachtgeräuschen (Zürich, vor den offen stehenden Notausgängen)
und einem Regisseur, der uns seinen Film vorführt; wobei der
den Regisseur vorführt, letztlich. «Das ist nicht mein
Film», beteuert ein düpierter Ferdinand Ilmer (Krishan
Krone) dem Publikum vor einer Bilder-Geschichte, die sich selbst erfindet.
Doch exakt das ist er: ist sein Material sein Leben.
Ein Film, “The Message“ (!), der sich der Präsentation
durch den Autor verweigert, ein Leben, das nicht gelingt, Kunst, die
ihren Schöpfer schöpft; „Gone with Ilmer", die
Kreativ-Troika Hannes Glarner (Regie/Autor), Krishan Krone (Schauspiel)
und Michael Hertig (Filmregie) geht mit dem ambitionierten Projekt
an die Wurzeln von Kunst. Sagen wir grosse Worte leichthin auch wenn
das Unterfangen kein leichtes und leicht zu knackend schon gar nicht
ist: Es geht um Projektion im weitesten Sinn, um Lebens-Projektionen
- gefasst zum Projektil Kunst - im engeren. Im Lauf des Abends: einer
Filmvorführungg mit Filmriss in jeder Hinsicht, wird klar, dass
die Bilder, die sich gegen ihre Veröffentlichung sperren (der
Filmvorführer scheint sich in Luft aufgelöst zu haben),
die Erinnerungen aus Ilmers Kindheit und Jugend sind. Der Zeit der
Unruhen und «Züri brännt", als Bewegung noch
ein klares Ziel hatte, vorwärts. Was Ilmer, den Filmer, von der
Strasse und vom Strassenkampf direkt in die psychiatrische Klinik
führte. «The Message» und sein Medium haben eine
Botschaft und ein Medium: den Autor.
Das klingt hermetisch wie ein Kern-Gehäuse und konstruiert, und
das ist dieser Crosslauf der Disziplinen wohl auch. Doch ausgeführt
von Krishan Krone muss das durchaus nicht angestrengt wirken. Gefasst
versucht er die Faden der Geschichte zusammenzuführen, die auf
der Leinwand nicht erzählt werden will; zuerst auf einer theatralen
Ebene, dann auf der Ebene des Films, und schliesslich betritt er,
Botschafter seiner Botschaft, die Leinwand. Dort erhalten die Sonnenblumenkerne,
die wir behaglich lutschen, eine tiefere Bedeutung, und wer sie gar
schluckt, mag am Morgen danach mit einer nachhaltigen Ernte rechnen:
blühende Erinnerungen aus der eigenen Vergangenheit.
Daniele Muscionico |
|
 |
 |