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Tages-Anzeiger,
Freitag, 15. Februar 2008
Die Welt so gross
Zürich, Keller 62.
Der eine ist hellblond, schüchtern und leicht untersetzt, der
andere dünn, dunkel und ein grosses Plappermaul. Sie treffen eines
Tages auf dem Pausenplatz der Ecole Matemelle de Vaucresson bei Paris
zusammen. Und kommen nicht mehr voneinander los. Denn beide werden sie
von ihren Eltern Krishan genannt. Der Name verbindet Norddeutschland
mit Indien. Er schweisst die Buben so stark zusarnmen, dass sich der
Blonde den Dunkeln kurzerhand einverleibt, als sein Vater von Paris
nach Rom versetzt wird. Er beginnt, wie sein indischer Freund zu
sprechen. Und macht sich bei Bedarf dessen Schlagfertigkeit zu Nutze.
So ist er kaum zu verletzen. Auch als er wenig später Rom wieder
verlassen muss, um in Lima Wurzeln zu schlagen.
«Die Welt so gross» ist ein privates und daher auch sehr
fragiles Stück Theater. Ferruccio Cainero hat den Monolog aus den
Kindheitserinnerungen des Schauspielers Krishan Krone gefertigt. Die
Handschrift des Autors, der an diesem Abend auch Regie führt, ist
deutlich spürbar. Wie bei seinen eigenen
ErzähItheaterstücken ("Ta pim ta pum", "Windmühlen" oder
"Dynamo"), arbeitet Cainero auch hier mit einem Mix aus
(auto)-biograflscher Realität und Fiktion. Er vergrössert
einzelne Charakterzüge von Menschen oder kleine Details zu
tragenden Handlungselementen - so wird etwa ein Abtreter auf dem Flur
zum fliegenden Teppich. Dabei ist der gebürtige Udineser eloquent,
poetisch und ausufernd.
Krishan Krone fügt sich erstaunlich gut ins Cainero'sche
ErzähIsystem. Und bringt ihm gar noch einen Mehrwert. Denn mit
seiner unaufgeregten, schnörkellosen
Spielhaltung bringt der in Zürich lebende Schauspieler eine
produktive Dynamik in die barocke Vorlage. Kunstpausen gibt es bei
Krone keine. Und so gerät das Publikum über weite Strecken in
den packenden Sog der Doppelgängergeschichte. Es wird quer durch
die Welt geschleppt und muss dazu noch eine Pubertät
bewältigen. Das ist beeindruckend.
(...)
Charlotte Staehelin
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