Erste Szene: DANK

 

Ein Kinosaal in der Periferie einer gršsseren Stadt. Alles ist fŸr die WeltpremiŽre des Films ãThe MessageÒ von Ferdinand Ilmer bereit. Vor und ein wenig unterhalb der Leinwand auf einer bŸhnenartigen Erhebung: Ein Mikrophon. Ferdinand Ilmer (Brille, alte Lederjacke) kommt auf die BŸhne und klopft gegen das Mikrophon, wartet, bis es still wird. Er ist erregt, auch wenn er es sich nicht anmerken lassen will. Er scheint immer an etwas anderes zu denken, als was er gerade tut oder sagt. Dabei wirkt er bescheiden, ja fast verlegen.

Ilmer:

Guten Abend

Meine Damen und Herren,

Ich freue mich sehr,

dass Sie

heute Abend

alle den Weg hierher

gefunden haben,

und ich mšchte sie ganz herzlich zur Premiere meines Films ãThe MessageÒ begrŸssen

 

Fernbedienung: Auf der Leinwand

     Am Anfang war ja nur Wasser,

     Unmengen von Wasser,

     Salzwasser, rundherum.

     Und darŸber

     Wind und Wolken;

     die vorŸberzogen,

     oder sich ergossen

     in gewaltigen GewitterstŸrmen.

     Ueber den Wolken:

     die AtmosphŠre,  

     der Himmel,

     das kosmische Ganze:

     das grosse blaue, graue, rote

     oder schwarze Gewšlbe,

     je nach dem.

     Und je nach dem natŸrlich:

     Sonne, Mond und Sterne.

    

     Das Wasser, es hatte immer

     eine Wahnsinns-Anziehungskraft

     auf den Menschen,

     Er steht, oder sitzt vor dem grossen unendlichen Meer

     Was kommt hinter dem Horizont? Der Tod? Das Paradies?

     Das hat die Menschheit immer weiter vorangetrieben:

Die Sehnsucht nach dem Unbekannten

     Aber auf der anderen Seite:

Die ungeheure Angst

     Es dauerte viele tausend Jahre,

     bis der Mensch

     Flšsse baute und EinbŠume

     und sich damit

     auf FlŸsse wagte

     und dann auf Seen;

     und es vergingen noch mal

     einige tausend Jahre,

     bis er endlich

     die KŸsten und die Meere beschiffte -

     die Aegypter, die Phšnizier,

     die Griechen, die Ršmer,

     die Wikinger,

     sie vor allem,

     mit ihren offenen Kielbooten,

     mit ihrer Klinkerbeplankung und den umlegbaren Masten

     fŸr die breiten Rahsegel.         

     Nach Erich dem Roten

     dauerte es wieder

     vier-, fŸnfhundert Jahre,

     bis Amerigo Vespucci

     Ÿber den atlantischen Ozean schiffte und eine neue Welt entdeckte: Seine Welt:

     Amerika.

     Eine Zeit spŠter war Amerika schon ganz besiedelt

     bis auf die andere Seite des Kontinents

     Und wieder stand der Mensch vor einem grossen Meer

     Wissend diesmal,

     dass hinter dem Horizont nicht das unbekannte lauerte

     sondern Asien,

     schon lang von der anderen Seite

     vom Land her erschlossen:

     Die Welt war rund,

     und rund herum entdeckt.

     An diesem Ende der Welt stehend

     dort in Los Angeles

     lšste sich der Blick allmŠhlich vom Horizont

und hob sich in die Vertikale,

An der KŸste des Himmels verwandelten sich MeerhŠfen im Geiste in FlughŠfen, Seeschiffe in Raumschiffe

Bald schon machte sich der Mensch ganz real auf

den Himmel zu stŸrmen

1961 umkreiste Juri Gagarin in nur eindreiviertelstunden die ganze Erde

     Wenig spŠter: Die Mondlandung

     ãThatÕs a small step for a manÓ usw.

     Und dann kam das Jahr 1972

     ich war gerade 12

     In diesem Jahr

     - und das ist fŸr mich und meinen Film besonders wichtig -

     schoss die NASA eine Raumkapsel ins All

     Ihr Name: Pioneer 10

     Es sollte das erste von Menschenhand geschaffene Ding sein,

     dass unser Sonnensystem verlassen wŸrde.

     Inzwischen ist die Sonde 7 Milliarden Meilen entfernt

     Noch immer sendet sie

     auf ihrer einsamen Mission

     im kalten Raum Signale;

     Am Aussenbord von Pioneer 10

     - das wissen sicher einige von Ihnen -

     ist eine Grussbotschaft an unbekannt angebracht

     ein Brief an ausserirdische Zivilisationen

     Darauf abgebildet:

     Ein Mann, mit zum Gruss erhobener Hand

     und mit sonst

     eigentlich

     nichts...

     diskret daneben: eine Frau,

     lockerer

     und auch eigentlich

     im wesentlichen,

     vollkommen...

     Am unteren Rand

     der Absender sozusagen – Die Sonne und ihre Planeten

     die Erde, dritte von links

     von dort: die Flugbahn der kosmischen Flaschenpost

     links in der Mitte:

     Die Position der Sonne in Relation zum Zentrum der Galaxie und zu den 14 Pulsaren, die Strahlungspulse von hšchster periodischer Konstanz.

 

FŸr mich ist diese Grussbotschaft der Anfangsschritt zu einer vielleicht allumfassenden Kommunikation

     Vielleicht

     sind wir wirklich endlich dabei,

     aus der verdunkelten Hšhle

     ins Licht zu treten,

     Vielleicht kommen wir dem Wesen der Dinge wirklich ein wenig nŠher

     Vielleicht, so hoffe ich,

     ist es wirklich der Auftakt zu einer GesprŠchskultur,

     die ohne Worte auskommt,

     in der die Grenzen der Wesen ineinanderfliessen,

     in der das All zu einem wird und eines zu allem:

     die absolute, die perfekte,

     die geglŸckte

     Kommunikation...

 

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